Kingstons Hafen - Kingston HarborHouse_4Rauthaus - City HallIch wollte Ottawa für ein paar Tage den Rücken kehren und habe mir dazu Kingston ausgesucht, eine Kleinstadt im Süden Ontarios. Da es dort aber irgendwie kein Hostel gibt, Bed & Breakfast für mein Budget etwas zu teurer ist und die Studentenwohnheime, deren Zimmer im Sommer auch an Touristen vermietet werden, wegen des Winters geschlossen waren, entschied ich mich für einen Sonntagsausflug in die rund 200km entfernte Stadt. Der Bus trug mich in morgendlicher Frühe übers verschneite Land. -20 Grad, aber das Wetter war einfach großartig: klare Luft und Sonnenschein! //

I needed to get out of Ottawa for a few days and wanted to go to Kingston, a small city in southern Ontario. But since there are no hostels and the dorms, which are rented out to tourists during summer, were closed and bed & breakfast would have exceeded my budget I decided to go there for a day trip. It is about 200km from Ottawa to Kingston, so the bus took me there one early Sunday morning across the land covered with snow. -20 degrees, but the weather was just fine: fresh air and sunshine!

Royal Military College (l.) und Befestigungstürme - Royal Military College (l.) and Fortification Towers

Empire Capitol CinemaBerrie-Street House_2

Kingston, einst die erste Haupstadt Kanadas, liegt am St. Lorenz-Strom und am Lake Ontario. Im Sommer muss der Blick herrlich sein, im Winter ist er vor allem: weiß, wohin man blickt Eis und Schnee. Das trübte aber meine Unternehmungslust nicht, denn Kingston bietet trotzdem viel für’s Auge: Wunderschöne viktorianische Villen säumen hübsche Straßen in Downtown. Wegen der vielen Kalksteingebäude wird Kingston auch “Limestone City” genannt. Das historische Erbe spürt man hier an jeder Ecke: Dicke Befestigungstürme, die den Anfang des Rideaukanals einrahmen, Fort Henry, die Princess Street oder der Campus der traditionsreichen Queen’s University erzählen von Kanadas Kolonial- und Unabhängigkeitsgeschichte. //

Kingston, once Canada’s first capital, is located on the Saint Lawrence River and Lake Ontario. The view must be fabulous in summer, in winter it is especially: white, wherever you look there is ice and snow. But that didn’t darken my spirits because Kingston still offers a lot to look at: beautiful Victorian  mansions line up along the pretty streets in downtown. Kingston is called the limestone city due to its many buildings constructed with that material. The historical heritage can be found on every corner: big fortification towers that guard the beginning of the Rideau Canal, Fort Henry, Princess Street and the campus of Queen’s University tell us about Canada’s colonial and independent history.

House_5Agnes Etherington Art CentreWayfarer Books Setz dich und lies! - Sit down and read!House_3House_6

Ich hatte vielleicht nicht den günstigsten Zeitpunkt für meinen Trip gewählt. Zum einen war es ein sehr kalter Sonntag, zum anderen Reading Week (eine Woche Zeit zum Lesen an der Uni), sodass auch die vielen Studenten entweder nach Hause gefahren oder fleißig am Lernen waren. Es waren natürlich trotzdem Leute unterwegs, sodass ich einen kleinen Blick auf den spannenden Mix bekommen konnte, den Kingstons Bewohner sonst so bieten: Studenten, die einen alternativen Flair in die Stadt bringen, Familien und gut situierte Mittelschichtler. Nicht zu vergessen ist, dass es in Kingston mehrere Gefängnisse und außerdem das Royal Military College of Canada gibt. Um das Ganze abzurunden besitzt Dan Ackroyd ein Haus im Norden der Stadt und Bryan Adams ist vielleicht der berühmteste Sohn von Kingston. Zum Dinieren empfehle ich das etwas verdrehte, aber sehr nette Café The Sleepless Goat, zum Schmökern den wunderbar vollgepackten Buchladen Wayfarer Books, zum Shoppen den hübschen Second-Hand-Laden What’ll I Wear und zum kulturellen Genuss das sehr abwechslungsreiche und spannende Agnes Etherington Art Center. //

Maybe I didn’t choose the best day for my trip. It was a very cold Sunday and it was also reading week, so lots of students either went home or studied. But of course there were people on the streets so I could get a glimpse of the exciting mix of Kingston’s residents: students who bring an alternative atmosphere to the city, families and well-off middle class people. Not to forget about several penal institutions and the Royal Military College of Canada located here. On top of that, Dan Ackroyd owns a house in the north of the city and Bryan Adams is probably the most famous son of Kingston. For dining I recommend the quirky yet nice café The Sleepless Goat, to browse an incredible amount of books go to Wayfarer Books, fashion friends should check out What’ll I Wear and art lovers need to visit the diversified and exciting Agnes Etherington Art Center.

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Fahrrad - Bike Waldron Tower Studentenwohnheim - Waldron Tower Student ResidenceBieber forever!Ontario Hall on CampusYou Need Some Fat In Your Diet!Lake Ontario

Knut hin oder her, der beste Eisbär der Woche war definitiv dieser Knirps im Zoo von Toronto. // With all due respect to Knut, the best polar bear of the week was this little fellow at the Toronto zoo.

Zum aktuellen Zeitpunkt sind die Schneemassen zwar zu traurigen grauen Haufen zusammengeschrumpelt und von Polar Vortex kann auch keine Rede sein, das sah allerdings auch schon ganz anders aus. Um Silvester waren es -27 Grad Celcius oder, wenn man den Windchill miteinberechnet, -40 Grad. Letztes Wochenende wurde meine Straße dann zur Schlittschuhbahn, als sich Eisregen in warmer Luft auf den kalten Boden ergoss. Aber es ist sooooo schön! Der Kanal ist als als Eisbahn eröffnet und wurde von mir auch schon als Arbeitsweg beskatet. Skilanglauf und Schneeschuhlaufen stehen auch noch auf meiner to do-Liste. Aber eigentlich gibt es bei der Kälte natürlich nichts besseres als im Café bei heißen Tee zu sitzen, ein Buch zu lesen. Es sei denn man ist ein Eisbär. //

Right now the snow masses shrinked down to pathetic little piles and there is no sign of a polar vortex, but it was a lot different two weeks ago. On New Year’s Eve it was about -27 degree celcius or when you count in the windchill -40 degree. Last weekend my street turned into an ice rink when freezing rain in warm air poured on the cold ground. But it is sooooo beautiful! The canal opened as an ice rink and I skated on it tow go to work. Cross country skiing and snowshoeing are also on my bucket list. But there is nothing better in this cold than to sit an in café with some hot tea and read a book. Unless you are a polar bear.

Blick zum Parliament Hill - View to Parliament Hill Eisblumen an meinem Fenster - Ice flowers on my window Weihnachstdeko Canadian Style - Christmas decoration Canadian StyleDer Start im November - The start in November Ottawa Senators vs. St. Louis Blues 3:2Schneefrau - Snow woman Schneehügel in meiner Straße - Piles of snow in my streetWinter ist mir wurscht - I don't care about winterSchnee und Blumen - Snow and flowersEiszapfen - Icicles Wunderbarer Wintertag auf dem Rideau Kanal - Glorious winter day on the Rideau Canal Rideau CanalWer hat die meisten Lichter? - Who has the most lights?So schöne Formen - So lovely shapes

Jetzt kann ich auch sagen: I ♥ NY! Das hätte ich ehrlich gesagt nicht erwartet, oder zumindest nicht in diesem Ausmaß. Ich dachte, dass unsere Reise nach New York seltsam werden könnte, dass die Stadt unberührbar und unwirklich ist. Immerhin hat man so viele Bilder von ihr, als bestünde sie selbst nur aus Popkulturmythen unterschiedlichster Coleur. Aber vielleicht liegt genau darin das typische New York-Flair: Es hält für jeden etwas bereit. So hat The Big Apple auch uns mit offenen Armen empfangen und wir wollten gar nicht mehr aufhören, reinzubeißen. Besser aber noch als der große Apfel Manhattan hat mir der kleine Apfel Brooklyn geschmeckt. Bevor es deshalb mit ganz vielen Fotos losgeht, gibt es kurz dieses schöne Lied mit dazugehörigem schönen Video, der sehr gut meine Stimmung widerspiegelt (obwohl man in den Lyrics Paris durch Ottawa und Regen durch Schnee ersetzen müsste). Meine Begleitung war übrigens die bezaubernde Anna, dank der ich schon viele neue Einsichten in die kanadische Seele erhalten habe. //

Finally I can say: I ♥ NY! I have to confess that I didn’t expect it or at least not to this extend. I assumed our trip to New York could be strange in a way that the city might be untouchable, unreal. After all there are so many images about the city as if it only consists of very different pop culture myths. But maybe this is the New York vibe: There is something for everybody. So The Big Apple welcomed us with open arms and we couldn’t stop tasting it. Compared to the big apple Manhattan I liked the small apple Brooklyn even better. So before I start with lots of pictures there is this lovely song with a lovely video that really reflects the state I’am in (although you would have to replace Paris with Ottawa and rain with snow in the lyrics). My company was the charming Anna to whom I am grateful for all the new insights into the Canadian soul.

Eigentlich darf ich gar nicht sagen, dass mir ganz Brooklyn gefällt, denn der Bezirk ist riesig und der kleine Teil, den wir besuchten, eben auch ausgesprochen schön. Unsere Bleibe lag im hippen Williamsburg an der Bedford Avenue und war nichts weniger als ein ein großes, toll eingerichtestes Loft und überhaupt die beste Unterkunft dank unserer tollen Hosts Cara und Keenan. Von dort aus war man in 30 Minuten überall: Downtown, Midtown, Uptown. Zu meiner eigenen Überraschung habe ich das U-Bahn-System ziemlich schnell kapiert und spielte daher Navigator. Mein Kompass führte uns zum MoMA, zum Rockefeller Center mit großen Weihnachtsbaum, Central Park, Guggenheim Museum, Brooklyn Bridge Park, Flohmarkt, Strawberry Fields … Aber die eigentlichen Highlights lagen um die Ecke. Es waren die Cafés und Restaurants, die mich am meisten begeisterten, vielleicht auch, weil es uns meist per Zufall in sie verschlagen hat: The River Deli, ein unheimlich hübsches und einladendes italienisches Bistro, Kasia’s Diner, in der uns die polnische Besitzerin erst mürrisch und dann immer netter werdend Pierogi servierte, oder das Cubana Social, das uns an einem verschneiten Sonntagnachmittag mit Espanadas aufpäppelte. Nicht zu verachten waren auch die beiden Clubs, in denen wir uns die Füße wundgetanzt und Ohren mit Musik gefüllt haben: Cameo und Baby’s All Right. Williamsburg ist einfach eine Welt für sich, kreativ und aufgregend. Es fehlt mir jetzt schon, aber ich komme wieder, soviel steht fest! //

Actually I’m not allowed to say that I liked all of Brooklyn because the borough is huge and the part that we have been to is markedly nice. Our place to stay was in the hip neighbourhood of Williamsburg at Bedford Avenue. It was nothing less than a huge and well furnished loft and the best place ever thanks to our great hosts Cara and Keenan! From there it took 30 minutes to anywhere: downtown, midtwon, uptown. To my suprise I understood the subway system right away so I became our navigator. My compass led us to MoMA, Rockefeller Center with its huge Christmas tree, Central Park, Guggenheim Museum, Brooklyn Bridge Park, flea market, Strawberry Fields … But the true highlights were just around the corner. It was the cafés and restaurants that really made my day, maybe also because we mostly came across them by accident: The River Deli, a warm and inviting Italian bistro, Kasia’s Diner, in which the first grumpy than friendly Polish owner served us pierogi, or Cubana Social, that nursed us with espanadas on a snowy Sunday afternoon. Not to mention the two nightclubs we spent time dancing and listening to good music: Cameo and Baby’s All Right. Williamsburg is its own universe, creative and exciting. I miss it already but I’ll be back, that’s for sure!

Wer’s noch nicht weiß: Zur Beschreibung mit der Maus über die Bilder fahren. // For those who don’t know yet: to get the picture’s description just mouse over.

Oh my, NY!Weihnachten am Rockefeller Center - Christmas at Rockefeller CenterIm MoMA: Max Ernst ist einfach der beste: Mondspargel - At MoMA: Max Ernst is simply the best: Lunar AsparagusAm Central ParkGandalf wartet auf ein Taxi am Times Square - Gandalf waiting for cab on Times Square Brooklyn BridgeArchitektonische Kontraste - Architectural contrastsDreierlei Butter: Kräuter, Zitrone und Himbeere - Three kinds of butter: herbs, lemon and raspberryBewölkt - Cloudy: Empire State of Mind? Flohmarkt in Williamsburg - Flea Market WilliamsburgBrooklyn Bridge ParkThe River Deli Backpacking in New YorkEin nebliger Tag für die Freiheit - A foggy day for libertyBlaue Stunde am Guggenheim Museum - Blue hour at Guggenheim Museum70 - Cubana SocialDowntown ManhattanStrawberry Fields: John Lennon Memorial, 9.12.Im Guggenheim: Christopher WoolNoch ganz nackig - They feel so nakedDie Kunst des Dekorierens - The art of decorationTodd English FoodhallBlick zum Freedom Tower - View to Freedom Tower Ümlaut PowerAt MoMA: Pablo Picasso: Les Desmoiselles d'AvignonBlick von der Brooklyn Bridge - View from the Brookly Bridge

A Tribe Called RedGestern gab es für mich eine weitere Lektion in Aboriginal Studies: Der tanzfreudige Samstagabend führte uns zu Electric Pow Wow, einer Party, bei der das DJ Team A Tribe Called Red auflegte. Die aus Ottawa stammende Band mixt traditionelle Musik der First Nations mit modernen elektronischen Klängen, HipHop und Dub Step zu einer sehr tanzbaren Fusion namens Pow Wow Step. Ich bin davon ziemlich angetan! Nicht nur dass die Musik extrem gut in Beine und Hüften geht und im Club eine wirklich gute Stimmung erzeugt, mir gefällt auch das soziale Engagement der Truppe, die sich in ihren Tracks mit der gegenwärtigen gesellschaftlichen Situation von indigenen Gruppen und deren Repräsentation in Medien und Politik auseinandersetzt. //

Another lesson of Aboriginal Studies for me: Saturday night lead to Electric Pow Wow, a party hosted by Ottawa based DJ Crew A Tribe Called Red that mixes traditional First Nations music with modern electronic sounds, hip hop and dub step and merge it into very dancable pow wow step. I’m totally into it! Not only does this music make me wanna dance all night, I also like the social activism of the group. In their tracks they address the current societal situation of indigenous people and their representation in media and politics.

Wie sich dann im Laufe meiner Recherche herausstellte, waren Mitglieder von ATCR auch an der Ausstellung Beat Nation: Art, Hip Hop and Aboriginal Culture in Montréal beteiligt, die ich zusammen mit meiner Schwester besucht hatte. So stammt unter anderem das Exponat, das mir am eindrücklichsten im Gedächtnis geblieben ist, von Bear Witness, einem DJ von ATCR. In seinem Videoclip “Assimiliate This” mischt er Pow Wow Step mit medialen Darstellungen der First Nations aus Film und Fernsehen, unter anderem Jim Jarmuschs “Dead Man” (siehe auch das Video zu “Electric Pow Wow Drum”). Die Fragen, die seine Werke aufwerfen, betreffen Rassismus, kulturelle Aneignung und Stereotypisierung indigener Kultur in Gesellschaft und Medien. Sie haben mich fasziniert und überrascht, weil ich sie mir selbst noch nie gestellt habe, obwohl mir der größere historische Rahmen bewusst war. Der aktuelle Diskurs hier in Kanada – wie schon einmal gesagt – ist neu für mich. //

Doing some reading on the group I found out that they were part of an exhibition that I’ve been to in Montréal with my sister called Beat Nation: Art, Hip Hop and Aboriginal Culture. The exhibit that impressed me most was made by Bear Witness, a DJ of ATCR. In his video “Assimilate This” he mixes Pow Wow Step with media portrayals of First Nations in film and television, among them Jim Jarmusch’s film “Dead Man” (see also video “Electric Pow Wow Drum”). In his work he raises questions concerning racism, cultural appropriation and stereotypes of indigenous culture in society and media. I was really fascinated and at the same surprised because it never occurred to me to ask these questions, although I knew about the bigger historical context. But as I said before, the current debate in Canada is new to me.

Dabei haben gerade die Deutschen doch eine so große Liebe zu “ihren Indianern”. Sie ist sogar so groß, dass sich Sat.1 vor kurzem gedacht hat, mal wieder einen TV-Western produzieren zu müssen. Es war eine interessante Erfahrung für mich, als ich kurz nach meinem Besuch der Ausstellung in Montréal die Kritik zu “In einem wilden Land” in der FAZ las und merkte, wie sich meine Perspektive auf das Thema verändert hat, wie ich viel sensibler für die kulturellen Zusammenhänge geworden bin, auf die sich der Film bezieht. Der Text spricht zwar auch die einfache Einteilung der Charaktere in wild und zivilisiert an und kritisiert Überhöhung und Klischees, sich wirklich mit der Problematik auseinandersetzen oder das eigene Bild vom “Indianerfilm” hinterfragen tut er allerdings nicht. Dabei wäre es wichtig aufzuzeigen, wie wir zu diesen Bildern kommen, dass sie nämlich größtenteils aus den bunten Romanen und Filmen von und nach Karl May stammen. Wenn ich wieder in Deutschland bin, möchte ich die Probe aufs Exempel machen und das Karl May-Museum in Radebeul besuchen, einen Ort meiner Kindheit, den ich so oft gesehen habe und den ich dann wahrscheinlich mit anderen Augen sehen werde. //

The Germans of all people seem to be very fond of “their Indians”. They are even so much fascinated by them that the private TV station Sat.1 currently produced another western movie. For me it was a very interesting experience to read a review about the film called “In A Savage Country” in the Frankfurter Allgmeine Zeitung just after I had seen the exhibition in Montréal because I realized that my perspective had changed. I was much more aware of the cultural contexts of the issue the film refers to. The text also addresses the simple distinction between savage and civilized and criticizes the exaggerations and clichés, but it doesn’t really discuss the problematic nor does it question its own image of an “Indian movie”. But it would be important to show where those images come from, in fact they mostly descend from colourful novels and films written and inspired by Karl May. When I’m back in Germany I want to make a test and visit the Karl May museum in Radebeul, a childhood scene of mine that I’ve been to a lot of times and I that I might perceive differently now.

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